szmmctag

  • Drei Ossis vor dem Westfernsehen

    ...und ich mittendrin. Und das, obwohl reichlich 18 Jahre seit dem Mauerfall vergangen sind. Und das, obwohl ich einiges gegen Fernsehkonsum habe (siehe Umfrage). Jedoch: ein Drama über den Mauerfall, das läßt man sich unter Ossis nicht entgehen.

    Aber ich bin natürlich dafür, daß auch die Wessis detailreich und in Farbe das Leben und Lieben in der End-DDR vorgespielt bekommen. Auch wenn es sich fast durchgängig um Westschauspieler handelte (bis auf Michael Gwisdek und Karoline Herfurth) - die Rollen waren allemal passend besetzt, und das ist schon die halbe Miete.

    Besonders die Frauen konnten mit wundervollen Typisierungen beeindrucken: die sharon-stoneske Gesine Cukrowski mit langem Pferdeschwanz, Veronica Ferres und Karoline Herfurth als gleichermaßen niedliche Mutter und Schwiegertochter. Man lernt, daß die DDR Frauen hauptsächlich in Röcken präsentierte und daß die Revolution ebenso überwiegend von Frauen genacht wurde, während die Männer rumhurten oder sich mit ihren Idealen von dunnemals herumquälten.

    Ullmann kostja ferch heino stasi wunderWaren die 18-Jährigen damals wirklich so selbstsicher und politisch standfest, wie es die Rolle des Kostja Ullmann vermittelt? Im Stasiverhör noch mit kühlem Kopf seine Rechte verteidigen, unter genauer Kenntnis der Optionen (Grenzsoldat?) einen Deal mit der Stasi machen: zu heroisch für einen Jugendlichen. Ich habe damals im "Wehrlager" auch das Schießen mit der KK-Waffe verweigert - aber ich hatte nicht den kompletten ideologischen Durchblick. Vielleicht hatten ihn ja Stasi-Kinder.

    Sehr unrealistisch ist es, daß sich der renegate Jung-Punker in der NVA plötzlich zum linientreuen Jung-Staatsbürger mausert. Aber das mag wiederum der Real-Vorlage geschuldet sein, nach deren Tatsachen das Drehbuch entstand.

    Ein weiterer seltsamer Punkt: Jürgen, der Stasimajor, ertappt die Widerstandsfrauen vom "Neuen Forum" beim illegalen Kopieren - und läßt die Flugblätter samt Bürgerrechtlerin entschlüpfen...? Die Szene am Anfang mit der Abnahme der "Duftprobe" hat man zugunsten des Klischees und des Gruseleffekts etwas zu theatralisch überspitzt...aber sei's drum.

    nva armee helm kaserne hymne vereidigung
    Ein Hauptsympathieträger des Films war der obercoole Opa (Michael Gwisdek) mit seinen ständigen, politisch inkorrekten Witzen und Bemerkungen. Wir haben herzlich gelacht über die Spitzen, die er austeilte, und die säuerlichen bis wutentbrannten Reaktionen des Stasi-Sohnes. Tja, was ein alter Landser ist!

    Eigentlich wieder ein unsinniger und zu theatralischer Akt war das Ende des Vaters von Anja. Warum muß er sich erschießen, wo jetzt endlich der Stasi-Druck absehbar zu Ende ist und er mit seiner Tochter Kontakt aufnehmen könnte?! Paßt nicht, ist nur dem Klischee geschuldet. Na, und bei Heino Ferch, da sieht man immer seine halbe Schauspielerkarriere mitspielen, am meisten aber Albert Speer.

    Fazit: Sowohl zum Lernen für Wessis als auch zum "Wiederholen" für Ossis hervorragend gegeigneter Film. Das Zeitkolorit hat gestimmt, die Rollenverteilung war 1a, die Fernsehausschnitte sind sowieso unangreifbar. Allenfalls hat man versucht, zuviele Konflikte in eine Familie zu packen - aber wenn's funktioniert?

    P.S.: Die Darstellerin der Anja (ich hab sie beim Fernstudium Sozialpädagogik kennen gelernt), die zu jung ist, um sich an die Wende zu erinnern, fragt nach dem DDR-Realismus des Films.

  • Todesfälle - Vorsicht Trigger von flashlin

    Wie leicht man doch zu Tode kommen kann: mitten im Trubel und in der Stimmung einer öffentlichen Weihnachtsfeier zum Beispiel, einfach so zusammensacken, zur Tür rausgetragen werden, Ende. Die Weihnachtsfeier ist natürlich gelaufen, aber dir kanns egal sein: schneller Tod, schöner Tod.

    Wie schwer und langsam es aber auch manchmal geht mit dem Sterben. Erst schwindet das Gedächtnis, dann sogar die Sprachfähigkeit. Man weiß nicht mal mehr, wie der Wasserhahn geöffnet wird. Wie man behandelt werden will und was man wem vererbt, sollte man dann bereits festgelegt haben.

    Oder: Schlaganfall eins, halbseitige Lähmung, Krankenhaus. Man kann noch sprechen, wenn auch mühsam. Schlaganfall zwei, (fast) alles ist vorbei. Man kann nicht mehr sehen, nicht mehr reagieren, nicht mehr essen, nicht mehr sprechen. Man kann aber noch Schmerz empfinden. Und jetzt wird es zum Dilemma.

    oma altersflecke hospizMit Medikamenten und einer Magensonde lebt der Körper weiter. Was der Mensch noch denkt, noch fühlt, ob er noch existiert: keiner weiß es. Dann ist guter Rat teuer! Wer dann als Angehöriger eine Entscheidung treffen muß, hat es schwer. Ist es human, den Menschen sterben zu lassen? Hat man überhaupt das Recht dazu, eine qualvollen Tod durch Verhungern und Verdursten einzuleiten?

    Unsere Eltern dürften meistens noch leben, oft auch die Großeltern. Und irgendwann sind wir auch selber mal an der Reihe mit Sterben. Den Angehörigen ist immer geholfen, wenn man durch eine Patientenverfügung festgelegt hat, was man will - oder nicht will. Wenn man im Koma liegt oder verkalkt ist, war's das. Warum nicht mal ein Gespräch in der Familie führen, wo man dieses unangenehme Thema beackert?!

    Patientenverfuegung_formularHast du schon einmal überlegt, wie das werden wird im hohen Alter?

    Demenz?
    Schlaganfall?
    Herzinfarkt?

    Wer wird erben? Wer wird am Sterbebett sitzen?

    P.S.: Ich selbst habe es bisher immer vermieden, mit dem Sterben konfrontiert zu sein - und habe noch nie jemanden sterben sehen.

Footer:

Die auf diesen Webseiten sichtbaren Daten und Inhalte stammen vom Blog-Inhaber, blog.de ist für die Inhalte dieser Webseiten nicht verantwortlich.