
Ein zunehmend aggressiver Atheismus arbeitet sich am Feindbild "Religion" ab, und da einige Religionen gerade im Bereich "Sexualität" sehr festgelegte Positionen vertreten, dient dieser Bereich als bevorzugter Schauplatz für provozierende Scharmützel. Diese Scharmützel lassen sich bei geschickter demagogischer Handhabung zu richtigen Schlachten gegen alles Religiöse ausweiten.
Im konkreten Falle gelang es Volker Beck (schwuler Grünen-Politiker), sich medienwirksam daran hochzuziehen, daß auf dem Christival ein Seminar zu Veränderungsmöglichkeiten für Homosexuelle stattfinden sollte. Beck entfachte ein mediales Bohei, das Wellen bis in den Bundestag schlug. Es erfolgte die sofortige Absetzung des Seminars, was aber Volker Beck und breiten atheistischen Kreisen noch nicht reichte. Die Suche nach weiteren "politisch unkorrekten" Seminarinhalten, die sich als Angriffsziele eignen, wurde fortgesetzt.
Da trauen sich die Christen, ein Thema "Sex ist Gottes Idee..." zu nennen, was ja auch den Homosexuellen durchaus recht sein sollte. Aber da die Fortsetzung lautet "...Abtreibung auch?", ist es erneut ein Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung und muß unterbleiben. Nun sind eine Menge linksalternativer Gruppen auf den Zug aufgesprungen und haben das ganze Christival, also quasi die Verkörperung christlicher Jugendarbeit der Kirche, zur Zielscheibe und zum Feind erkoren.
Mir reichen wenige Sätze, um klarzustellen, daß Volker Becks Standpunkt intolerant und fundamentalistisch ist und von mir rundweg abgelehnt wird. Wenn Menschen, die sich in ihrer sexuellen Orientierung unsicher sind, in Konflikte geraten, weil sie befürchten, es könnte ihnen Nachteile bringen, sich
als "homosexuell" zu begreifen und so zu leben - was wäre zu tun? Ganz sicher wäre Volker Beck dafür, diese Menschen zu ermutigen, ihre Verklemmtheit, ihre Ängste und Bedenken zu überwinden und ihre Homosexualität als "normal" zu akzeptieren und offen auszuleben.
Wenn aber homosexuell empfindende Menschen sich unsicher über ihre sexuelle Orientierung sind und in Betracht ziehen, sich anders, zum Beispiel heterosexuell, zu orientieren - wenn Menschen dies vielleicht anstreben, weil sie es als passender für sich erkannt haben - dann darf man sie nicht dabei unterstützen?! Wohlgemerkt: es geht nicht um aggressive Anti-Homo-Gehirnwäsche, es geht um Menschen, die freiwillig eine Änderung ihrer sexuellen Orientierung anstreben.
Solange sie dies vom Hetero zum Homo tun, ist alles wunderbar - aber wehe, jemand kommt auf die Idee, es vom Homo zum Hetero zu tun! Dann springt Volker Beck im Dreieck - und die grün-linke Klientel springt mit. Die Strategie der Wahl bei den Christen heißt dagegen leider "Deeskalation", anstatt mit aller gebotenen Standfestigkeit die plumpen und dümmlichen Angriffe aus atheistischer Richtung abzuwehren.
Die Fotos 2 und 3 stammen von einer Podiumsdiskussion "Frei denken, handeln, lieben!" mit den Gästen Volker Beck, Annegret Siebe und Olaf Latzel, die die "Grüne Jugend Bremen" veranstaltete. Volker Beck bekam auch eine Diskussion mit dem evangelikalen Pfarrer Ulrich Parzany.
P.S.: Fragen wie Abtreibung und Homosexualität sind nur der Aufhänger für eine zukünftig weit umfassendere Diskriminierung christlicher Positionen in der Gesellschaft.
Als Zusatzlektüre der (moderate) Kommentar eines schwulen Bremers, den er beim Shopblogger hinterlassen hat - klicke einfach "lies mehr".
Kommentar von DinoHB
"Als schwuler Bremer beobachte ich das Treiben rund um das Christival nun schon seit Wochen. Da ich nichts dagegen habe, dass die Jugend ihren ehrlichen Glauben an Jesus hier in Bremen feiert bin ich nicht gegen das Christival und war heute auch nicht auf der Gegendemo, die mir zu pauschal kontra erschien. Die vier Tage Belagerung hält Bremen auch aus.
Gestern abend war ich bei der Podiumsdiskussion (Volker Beck, MdB/Grüne, die Geschäftsführerin der Beratungsorganisation Pro Familia Bremen, Annegret Siebe, und der evangelikale Pastor der Bremer St.-Martini-Gemeinde, Olaf Latzel). Kurz: Es war keine Einigung zu erzielen. Die Fronten waren verhärtet. Die Stimmung angespannt. Teilweise eine Besserwissereischlacht mit Bibelzitaten. Als neue Erkenntnis für mich (der mal evangelisch war und irgendwann der Glauben endgültig verlor): Die Bibel ist keine Diskussionsgrundlage . Das ist kein niedliches Geschichtsbuch mit ein paar gutgemeinten Anekdoten an denen man sich orientieren bzw. sinngemäß danach leben sollte... Nein! Der kirchliche Vertreter hat klipp und klar gesagt, dass er die Bibel auch mit ihren Widersprüchen als Gesetz ansieht. Das ist sein guter Glaube - das darf er. Aber er möge bitte NIEMALS die Gelegenheit bekommen dieses für alle durchzusetzen. Dann ist hier wieder Mittelalter.
Heute abend bei meinem Besuch des Infotisches des Bündnisses "Freiheit für Vielfalt" ein ganz anderes Bild: Jede Menge junger Menschen am Bahnhof, die scheinbar ohne große Erwartung an einem Festival teilnehmen wollten und Jesus huldigen, wie es das Motto "Jesus bewegt" vorsieht. Sie sahen zivil aus, wie man sich die Jugend heute eben so vorstellt. Der schwul-lesbische Infotisch fand eigentlich kaum Beachtung. Und hier genau sehe ich den Widerspruch: Die Veranstalter werben mit Jesus (der hat eben wirklich noch Werte gelebt und seinen Kopf für seine Ansichten hingehalten) und stützen sich in ihrer Aussage auf die veraltete und (für mich als Schwulen) lebensfremde Bibel. Das passt nicht zusammen. Wie wollen die Veranstalter diesen Spagat schaffen? Was würde Jesus eigentlich zu dem ganzen Treiben sagen?
Zum abgesagten Homo-Seminar: Ich bin es überdrüssig darüber nachzudenken, was die Ursache von Homosexualität ist und wie man damit umgeht. Ich bin mit mir im Reinen. Deshalb befremdet es mich auch, darüber nachzudenken, ob man es 'wegtherapieren' kann und sollte. Nur: Wer das Wegtherapieren verspricht, sollte es dann auch schaffen. Sonst bleiben frustrierte verhinderte Ex-Schwule zurück, die mit sich und der Welt nun noch schlechter klarkommen.
Wer übrigens nicht glauben möchte, wie fundamentalistisch einige Gruppierungen sind, die Seminare am Christival geben, soll sich mal die Seite der Birke anschauen (http://www.birke-ev.de). Die machen eine Anti-Abtreibungsseminar. Ein Aufruf an alle Mädels und Frauen unter euch: Unter welches der vier Frauenprofile fallt ihr?!"




Jeder zweite Teinehmer ist Landeskirchler.
Der Blogautor hat diesen Kommentar am 2008-05-03 08:25:54 verändert: